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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte


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Ho Ho Ho liebe Weihnachtsfreunde!

Wir alle kennen kuriose Einsätze, die aktiven Einsatzkräfte unter uns haben solche Geschichten entweder selber schon einmal erlebt oder von Kameraden und Kollegen erzählt bekommen. Hier bei SIM Dispatcher simulieren wir eine Leitstelle. Jeder von uns schlüpft in die Rolle eines Disponenten und kann so die Welt und vor allem die Einsätze aus einem anderen Blickwinkel sehen. Im folgenden werde ich eine kleine (fiktive) Weihnachtsgeschichte aus der Sichtweise eines Disponenten erzählen. Genießt diese kleine Geschichte, ich hoffe sie bringt euch zum schmunzeln. 🙂 

Kapitel 1: Der Notruf:

Es begab sich aber zu der Zeit als wieder Weihnachten vor der Türe stand. Und so wie jedes Jahr standen für die allermeisten einige besinnliche Feiertage, zu Hause im Kreise der Familie, vor der Tür. Nicht so allerdings für alle jene auf der Leitstelle, in den Feuerwehren, Krankenhäusern, bei der Polizei und anderen wichtigen Einrichtungen, die Tag und Nacht besetzt sein müssen. So auch Tobias, der als Leitstellendisponent arbeitete. Am Weihnachtsabend, um 20:45, war es wie gewohnt eher ruhig in der Leitstelle des Rheinisch Bergischen Kreises. Klar, waren doch die meisten Leute zuhause und gaben Acht auf sich und ihre Liebsten. Außer einigen kleinen Rettungsdienst Einsätzen zu Verbrühungen am zu heißen Glühwein und eines kleinen, unspektakulären BMA-Einlaufes, gab es für die Disponenten nicht viel zu disponieren. Doch auf einmal hörte man in der Leitstelle ein merkwürdiges Geräusch, ein lautes "Ho, langsam Dasher!" gefolgt von einem dumpfen Aufprall ganz in der Nähe der Leitstelle am Kreishaus. Doch bevor die diensthabenden Disponenten zum Fenster und die Kollegen in Pause zur Türe heraus eilen konnten, klingelte das Telefon. Ein Notruf kam über die 112 herein. Beherzt griff Tobias am Einsatzleitplatz 1 zum Telefon und sprach:

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Routiniert fragte Tobias alle nötigen Informationen ab, auch die Adresse. Als er dann "Rübezahlwald 7a 51645 Bergisch Gladbach" hörte, zuckte er kurz zusammen. Das also war das Geräusch gewesen. Der Weihnachtsmann musste also direkt hier an der Leitstelle abgestürzt sein. Während die anderen Kollegen mittlerweile vor die Tür getreten waren, wurde oben am Einsatzleitplatz noch schnell, wie schon tausende male zuvor, alle notwendigen Daten zur Alarmierung in die Einsatzmaske eingetippt. Nur welches Stichwort wählt man denn da? Durch Eingabe des Wortes "Absturz" fiel die Wahl sehr schnell auf das zum Glück sehr breit gefächerte Stichwort "H-Absturz Flugobjekt" als hätte sich jemand bei erstellen der Stichwörter im Kreis um genau so eine Situation vorgestellt. Schnell noch in den Freitext eintippen "Schlitten abgestürzt" und dann über Enter die Einsatzkräfte alarmieren. Sekunden später schellen auf den Feuerwachen 1 und 2 sowie bei den ehrenamtlichen Löschzügen Stadtmitte und Paffrath Hand der Freiwilligen Feuerwehr Bergisch Gladbach die digitalen Funkmeldeempfänger.

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Kapitel 2: Der Einsatz:

Direkt nach der Alarmierung ärgerte sich Tobias direkt. Der Freitext war nun wirklich nicht aufschlussreich, was sollen sich denn die Feuerwehrleute bei einem abgestürzten Schlitten vorstellen? "Naja", dachte er sich, "dann werde ich halt alles am Funk erklären müssen." Nur 90 Sekunden nach Alarmierung meldeten sich dann die hauptamtlichen Einsatzkräfte aus Richtung Leitstelle. Schmunzelnd musste Tobias dem ausrückenden B-Dienst auf dem ELW erklären, dass wohl der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten abgestürzt war. Nach mehrerer verdutzter Nachfragen über Funk, gab der Einsatzleiter bekannt, dass er sich dann wohl selber ein Bild von der Lage machen müsse und wehe dies sei ein Scherz. Dem konnte Tobias nur erwidern, dass es gewiss kein Scherz sei und seine Kollegen die Kräfte am Kreishaus einweisen würden. Und so konnte er das durch die Nacht klingende Martinshorn immer näher kommen hören, bis schließlich das Blaulicht durch die Fenster der Leitstelle schien. So gerne hätte er diesen Einsatz mit eigenen Augen betrachtet, doch die Arbeit auf der Leitstelle ruht nicht. Routiniert wurden weitere Notrufe abgearbeitet und Rettungswagen zu medizinischen Notfällen geschickt. Währenddessen wartete Tobias sehnlichst auf eine erste Rückmeldung von der Einsatzstelle, so gespannt hatte er wohl noch nie einer Lagemeldung entgegen gefiebert. Nach wenigen Minuten kam dann endlich das erlösende "Pling" eines Sprechwunsches und es war tatsächlich der ELW der einen Sprechwunsch gedrückt hatte. Sofort griff Tobias zum Funkhörer und sprach:

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Hastig wurden die Infos in das Einsatzprotokoll übertragen. Dann konnte sich Tobias nicht mehr verkneifen, er griff zu seinem Telefon und rief schnell einen der Kollegen aus der Pause an, um mehr Infos zu erhalten. So erfuhr er, dass der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten direkt in den nahen Wald neben der Leitstelle gestürzt war. Die Feuerwehr bereitete Kettensägen vor, um Bäume aus dem Weg zu schneiden und anschließend mit der Winde des Rüstwagens aus dem Waldstück zu ziehen. Die Rentiere wurden in einer Gemeinschaftsaktion mit Weihnachtsmann und Feuerwehr zusammengetrieben und durch den mitalarmierten Rettungsdienst versorgt. Und während Tobias auf der Leitstelle saß und den Kettensägengeräuschen lauschte, meldeten sich auch die ehrenamtlichen Kräfte aus. Auf die Rückfrage beim ELW, ob diese an der Einsatzstelle gebraucht würden, kam nur ein "Ja, alles durchziehen bis zur Einsatzstelle. Das MÜSST ihr gesehen haben!!!" Nach kurzer Zeit waren so etwa 30 bis 40 Einsatzkräfte an der Leitstelle versammelt, die alle den Schlitten des Weihnachtsmannes bestaunten. Und dann war es Zeit für die zweite Rückmeldung:

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Nach erledigen der Formalitäten schrieb Tobias einen Kollegen an und fragte nach Bildern, die er auch gleich darauf geschickt bekam. Und was er da zu sehen bekam, sah sehr abenteuerlich aus. Dem Weihnachtsmann und den Rentieren schien es zwar augenscheinlich sehr gut zu sehen, doch der Schlitten und auch die Geschirre der Rentiere hatten einiges mitbekommen. Wie sollte dieser Schlitten nur wieder flugbereit werden um noch rechtzeitig zu allen Kindern auf der Welt zu kommen? Doch eins wusste Tobias und auch alle Einsatzkräfte vor Ort, wenn es ein Problem gibt wofür die Feuerwehr gerufen wird, dann wird es auch gelöst. Nicht umsonst sagen viele Feuerwehrleute: "Wir kriegen das schon hin, zur Not mit Improvisation, nach uns kommt schließlich keiner mehr". Und so wuchs mit jedem weiteren Bild was Tobias über WhatsApp geschickt bekam die Zuversicht, dass der Schlitten bald wieder fliegen können würde. Für die kaputt gerissenen Geschirre der Rentiere wurden kurzerhand D-Schläuche verwendet, die geschickt zusammengeknotet und gekuppelt wurden. Für die kaputt gerissenen Zügel nahm man Feuerwehrleinen, mit einem Schotenstich an den Schläuchen festgeknotet, das hält auch beim Flugwind bombenfest! Aus dem Rüstwagen wurde allerhand Holz entnommen, zurecht gesägt und so der Schlitten mit viel Nägeln, Panzerband und Improvisationstalent zwar nicht mehr so schön aussah, aber funktional repariert und flugbereit war. Sogar auf die Aerodynamik konnte mithilfe der ehrenamtlichen Kräfte geachtet werden, schließlich waren unter ihnen Ingenieure und Tischler, also alles samt Leute vom Fach. Nach einer gefühlt endlosen Zeit folgte nun endlich die dritte und abschließende Rückmeldung:

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Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ging so ein Einsatz zu Ende, den sie so schnell nicht wieder vergessen würden. Und auch für Tobias ging so ein Einsatz zu Ende, den er so wohl noch nie disponiert hatte und vermutlich auch nicht wieder erleben würde. Als die Kollegen wieder zurück und hinauf in die Leitstelle traten, stellte er mit erschrecken fest, wieviel Zeit ja schon vergangen war und eigentlich längst seine Pausenzeit begonnen hatte. Nachdem die Kollegen übernommen hatten, ging es in den Ruheraum, wo er hoffentlich bis zum Weihnachtsmorgen in Ruhe schlafen konnte.

Ende.

Ich wünsche euch ruhige und besinnliche Weihnachtsfeiertage und gerade den aktiven Einsatzkräften unter euch, sei es Hauptamt oder Ehrenamt, eine ruhige, einsatzfreie Zeit. Auch allen anderen unter euch die über die Feiertage arbeiten müssen, wünsche ich viel Ruhe und eine angenehme Zeit mit den Kollegen. Bleibt gesund!

Liebe Grüße,

LZHebborn

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