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Person im Fahrzeug - nicht eingeklemmt. Wie handhabt ihr das?


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Werte Disponentenkollegen und Mitstreiter!

Ein oft diskutiertes Thema in unseren Leitstellenreihen ist die Vorgehensweise bei Meldungen von Personen, die nach einem Verkehrsunfall im Fahrzeug eingeschlossen aber nicht eingeklemmt sind. Selbstredend besteht ein erheblicher Unterschied im Einsatzmittelvorschlag zwischen Einsatzstichworten betreffend einer eingeklemmten und nicht eingeklemmten Person und außer Frage steht, dass im Zweifel das Stichwort der eingeklemmten Person alarmiert wird. 

Folgende anlassbezogene Situationen kommen immer wieder vor:

  • PKW in den Straßengraben gerutscht
    • nach dem Ausparken
    • Person im Fahrzeug (selbst Melder) kann aufgrund der Schieflage das Fahrzeug nicht verlassen.
  • PKW gegen PKW - Auffahrunfall
    • der Anrufer (aus dem vorderen PKW) meldet, dass die Person im aufgefahrenen PKW verletzt aber augenscheinlich nicht eingeklemmt ist
    • Aufgrund der unklaren Verletzungslage wird angeleitet, den Verletzten nur bei Gefahr in Verzug (Bewusstlosigkeit oder andere Gefahren) aus dem Fahrzeug zu retten
  • PKW gegen PKW - Front gegen Seite an Kreuzung bei Regen
    • Person aus dem seitlich getroffenen Fahrzeug stieg über die Beifahrer Seite aus
    • Person im anderen PKW bleibt sitzen, ansprechbar, vmtl. verletzt

Mittlerweile gibt es einen Entscheid der Leitung, nach welchem sich gerichtet wird aber ich möchte gerne einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen und gerne eure Vorgehensweisen und Erfahrungen dazu kennenlernen.

Noch eine kleine Bonusfrage: Wie viel Gewicht legt ihr auf die Aussage, dass der Anrufer wiedergibt, dass nach einem Verkehrsunfall niemand verletzt ist? Ich persönlich bin der Meinung, dass nach einem VU mit Überschlag, diese Aussage äußert zweifelhaft ist und schicke zumindest einen RTW dazu wohingegen es bei anderen Unfallmechanismen sicher glaubhafter erscheinen kann, dass wirklich niemand verletzt ist, zum Beispiel bei Meldungen über aufgesessenen PKW mit Ölaustritt.

 

Ich freue mich auf eure Antworten!

LG Lukas

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Dann will ich mal meinen Senf dazu geben...

Also bei uns zählen eingeschlossene* Personen nach Verkehrsunfall gleichwertig zu denen, die eingeklemmt sind, also es fährt das selbe Kräfteaufgebot** los.

Zu den oben genannten Fällen:

  • PKW in den Straßengraben gerutscht
    • hier dürfte bei uns ein RTW und ein HLF(hat keine Seilwinde) los rollen, ggf. noch ein GWR2 (RW2) (wegen der Seilwinde)
  • PKW gegen PKW - Auffahrunfall
    • ein RTW wird da initial mehr als ausreichend sein (bei Autobahn o.ä. würde ein HLF zur Absicherung mit kommen)
  • PKW gegen PKW - Front gegen Seite an Kreuzung bei Regen
    • Warum bleibt er sitzen?
    • Welche Rolle spielt der Regen beim Kräfteaufgebot?
    • sonst erstmal HLF/GW1*** und RTW, möglicherweise auch nur RTW.

Zur Bonusfrage: es kommt halt auf den Unfallmechanismus an. Bei Überschlag und Co. kommt in der Regel ein RTW mit, wenn der Anrufer aber klar und unmissverständlich vermittelt, dass die Fahrzeuginsassen keine rettungsdienstliche Hilfe möchten, wird auf den RTW verzichtet. Bei uns bringt das HLF grundsätzlich mindestens einen Notfallsanitäter an die Einsatzstelle, also ist es auch fast egal.

*eingeschlossen: Fahrzeug so verformt, dass sich die Türen nicht öffnen lassen.

**ELW-ZF, 2xHLF, DLK, GWR2 (RW2), ELW-B-Dienst, RTW, NEF/NAW/RTH

*** ähnlich wie KEF/KLAF

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Danke @Klingelwache für deine tolle Antwort, die ist wirklich sehr aufschlussreich.

Der Kräfteaufwand ist ähnlich dem unseren. Mit der derzeit gültigen Anweisung ist die eingeschlossene der eingeklemmten Person gleichgesetzt. Das ist meiner Ansicht nach auch sinnvoll um hier einfach auf der sicheren Seite zu sein. Das ist gut für den Patienten, die Einsatzkräfte, dem Disponenten, ...

Zu der Unklarheit wegen dem Regen - der Patient blieb im Fahrzeug, weil es regnet - so war da der Zusammenhang.

Den "Luxus" des Notfall-/Sanitäters am Fahrzeug haben wir mit unseren freiwilligen und halbamtlichen Wachen leider nur durch Zufall, dafür sind zum Glück Rettungsmittel (Boden und Luft) in guter Dichte vorhanden. 

 

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Bei uns halt geschuldet, dass wir eine Stadt mit Berufsfeuerwehr sind und die HLF der BF eben auch zur nahezu gleichwertigen Erstversorgung von medizinischen Notfällen ausrücken können, also First Responder mit eben der Notfallsanitäter-Kompetenz.

Gibt natürlich auch Gebiete, wo die FF als First Responder unterwegs ist, mit eben dann angepasster Kompetenz und Ausstattung.

Aber um es mal so salopp zu sagen, meistens schildern die Anrufer die Lage dramatischer, als sie ist und daher wird ziemlich oft nach "Person eingeklemmt" alarmiert, dass es dann in Rund 70% der Fälle völlig überflüssig war, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Außerdem gibt es ja eine strukturierte und standardisierte Notrufabfrage, die dann eben auch das Stichwort und somit das Kräfteaufgebot beeinflusst, ob das dann immer so sinnig ist, sei mal dahin gestellt. Mit unserer aktuellen Abfrage werden viele Einsätze ziemlich hochbeschickt und die Einsätze, die aufgrund mangelnder Kommunikation (Sprachbarriere oder Gesprächsabbruch) als unklare Lage alarmiert werden, meist dann zu niedrig.

Die automatisierten Notrufe aus den PKWs werden bei uns z.B. auch nur mit einem RTW beschickt, der dann mal erkunden darf.

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Unsers kommt von Noratec (DIAS) und ist meiner Meinung nach der letzte Schrott. Vorher hatten wir für medizinischen Abfrage ProQA und FW Einsätze wurden "manuell" abgefragt. Jetzt sind selbst die FW-Einsätze schrecklich, viel mehr als Abfrageergebnis "Feuer/Rauchentwicklung Mehrfamilienhaus" kommt dabei nicht rum, egal ob es im Keller brennt, im Dachstuhl oder doch die Wohnung oder eben nur der Zeitungsstapel im Treppenhaus. Bei der "manuellen" Abfrage stand wenigstens noch Rauch aus Fenster oder so auf dem Zettel, aber jetzt steht da eigentlich nur, was nicht ist.

 

Das Beste dabei ist eigentlich, dass selbst die Bahn-Leitstelle oder eben das Bahnpersonal, als Fachleitstelle/personal für medizinische Notfälle gilt und somit eine Abfrage nicht stattfindet, sondern dort wieder ohne richtiges Protokoll gearbeitet wird.

Nennt sich dann "Fachanforderung durch Fremdleitstelle" 

 

 

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Genau, das ProQa (gehört eh zum AMPDS Zeugs) kann ich teilw. nicht mehr ausstehen. Schlaganfallabfrage dauerte wegen FAST/LOV-Abfrage auf dem Protokoll 28 fast 6 Minuten, je nach Melder (exklusive Verorten). Wenn wieder Bewertungszeit ist darf man sich dann die ein, zwei weniger guten Fälle anhören und bespricht sie mit dem Vorgesetzten,was dann meistens beginnt mit: "Das ist ja diesmal nicht so gut gelaufen" 😅. Ich wills jetzt nicht schlecht reden aber es dauert manchmal ewig abzufragen.

So wie es bei dir war, ist es hier zurzeit. ProQa für medizinische Sachen, freihändig bei Feuer.

Edited by LukasE.
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